Der Supermarathon am Rennsteig

Zurück vom Supermarathon am Rennsteig gibt es diesmal mehr Bilder als Text. Wie schon im letzten Jahr war es ein toller Lauf, der jedem Läufer alles abverlangt hat. Man darf auf dem Rennsteig einfach den Respekt nicht verlieren. Auch diesmal hatte ich meine drei mentalen Etappen: Inselsberg, Oberhof und das Ziel in Schmiedefeld.
Der Rennsteiglauf gilt als der schönste und anspruchvollste Ultra- bzw. Landschaftsmarathon Europas. Das Geschenk zum 40. Jubiläum: Teilnehmerrekord.
  
Frühmorgens am Start in Eisenach bin ich noch nicht so ganz fit. Obwohl es kalt ist und ein eisiger Wind weht. Gemeldet ist echtes Kerstin-Laufwetter ohne Regen. Vor dem Start muss ich noch meine Lauffreunde finden und begrüßen.
Mein Ziel ist Schmiedefeld vor 16 Uhr zu erreichen. Dann wären 10 h vorbei. Im Hinterkopf ist aber die 9:42 h vom letzten Jahr. Vielleicht kann ich die ja knacken? Trotzdem ist das Wichtigste das Ankommen.
Rennsteig heißt für das hintere Feld auch, dass man es gemütlich angehen läßt. Der Berg wird gegangen. So spart man Kraft . Hintenraus wird das belohnt. Allerdings geht man bei 1470 Metern bergauf schon lang und viel und die 969 Meter wieder runter sind auch nicht immer einfach.
Die Speise- und Getränkekarte. Natürlich gab es auch noch Bananene, Äpfel und Zitronen. Sehr lecker auch das Schnittlauchbrot und die geräucherte Wurst. Außerdem gab es noch Bockwurst, Salami- und Leberwurstbrot. Dazu Cola, Apfelsaftschorle, Tee, Wasser und Isogetränke. Und irgendwann auch Köstritzer. Das habe ich mir aber erst an der letzten Versorgungsstation gegönnt. 
Einer der etwa 1500 freiwilligen Helfer aus 30 Vereinen. Die Versorgung und Betreung vor, während und nach dem Lauf  ist hervorragend. Alle sind freundlich und die Streckenposten feuern immer an.
230000 Trinkbecher werden in 1400 Müllsäcken entsorgt. Wirklich müllvermeidend sind diese Läufe nicht. Am Rennsteig werden jedoch biologisch abbaubare Trinkbecher verwendet. Die armen Helfer, die die Becher alle aufsammeln müssen. Als Läufer macht man sich darüber keine Gedanken. Auch ich lasse den Becher einfach fallen, wenn der Becher vor dem letzten Mülleimer nach der Versorgungsstation noch nicht leer ist.
Und wem das Essen am Versorgungsstand doch nicht reicht, der kann sich gegenüber eine Wurst kaufen. 
Abseits der Laufstrecke gibt es immer wieder tote Bäume zu bewundern. Am Rennsteig wird sichtlich noch vieles der Natur überlassen. Ansonsten sieht man außer Wäldern nicht viel von der Landschaft. Aber ich finde, die Ruhe macht den Lauf so schön.
Nach 4:50 h war ich bei der Hältfe. Ein bißchen erschöpft, aber die Versorgungsstation lag schon in Sichtweite. Kurz vorher habe ich Rudolf kennengelernt. Er ist laufend helfend unterwegs. Und nachdem er den Laufclub 21 kennt, sind wir natürlich ins Gespräch gekommen.
Versorgungsstation. Wer hier nichts findet ist selbst schuld. Schade, dass ich während solcher Läufe fast nichts essen kann. Ich bevorzuge bei diesen langen Läufen Äpfel, dick in Salz eingetaucht. Alles andere mag mein Magen nicht. Sozusagen ein Diättag. Aber das hole ich am nächsten Tag wieder nach. Mit viel ungesundem Essen.
Am Rennsteig ist nicht die Länge das Problem, sondern die Höhenmeter. Es macht mir auch nichts aus, dass auf der Strecke kaum Zuschauer sind. Man kann die Strecke ja nur zu Fuss erreichen. Schlimmer ist der Belag. Man muss ständig aufpassen nicht über Wurzeln oder Steine zu stolpern. Dieses Jahr kamen nach dem Regen der Nacht noch Matsch und Pfützen dazu. Aber ein Trampelpfad hat sich immer gefunden.
Oberhof: mentale Teiletappe Nummer 2. Jetzt muss ich nur noch den Beerberg bezwingen und dann läuft es nach Schmiedefeld rein. Manche Berge dazwischen verdränge ich gerne. In Oberhof kann man auch mit Wertung aussteigen und mit dem Bus nach Schmiedefeld fahren. Ein verlockender Gedanke? Keine Sekunde habe ich damit verschwendet. Mir ging es gut, warum aussteigen? Es ist ein tolles Gefühl und Blick, Richtung Biathlonstadion zu laufen. Und es ist nicht mal mehr ein Halbmarathon bis ins Ziel.
Letztes Jahr hing das 60 Km Schild noch an einem Baum. Auch hier arbeitete ein Harvester. Den Weg hatte ich schmäler und wurzeliger in Erinnerung. Diese Jahr war er uneben und damit auch nicht gut zu laufen. Jetzt waren es nur noch 12,7 Km. Und mein 10 h Zeitziel noch fast 2 Stunden entfernt. Sollte es doch mit der neuen Bestzeit klappen?
Blick vom Beerberg. Der höchste Punkt ist erreicht. Die schlimmsten Steigungen sind vorbei. Ab jetzt konnte ich wieder mehr laufen als gehen. Und ich konnte schnell laufen. Schließlich ging es immer leicht bergab. So konnte ich viele Läufer wieder einholen, die ich ziehen lassen musste. Nicht weil sie schneller waren, sonder weil ich mal in die Büsche musste. Das kostet Zeit.
Aber nicht nur Wurzeln, Steine und Pfützen jeder Größe haben uns Probleme bereitet. Nein, es gab auch gefährliche Kurven, steinig und glatt. Da hieß es Tempo rausnehmen, um den Sturz zu vermeiden. Und da gab es einige. Vielleicht nicht hier in der Kurve, aber immer wieder auf der Strecke.
Und dann ist er da! Der erste Blick auf Schmiedefeld. Dort unten ist irgendwo das Ziel. Es sind zwar immer noch über 2 Km, aber wie sage ich immer: "Jetzt umkehren wär blöd!" Und bis auf einen Minihüppel geht es wirklich nur noch bergab. Mit der Freude auf den Zieleinlauf kommt die Gänsehaut, der Stolz, den Rennsteig wieder "bezwungen" zu haben. Ich bin sehr viel alleine gelaufen. Aber zu keiner Zeit kamen Zweifel auf. Und die Kilometer, die ich mit jemandem gelaufen bin, waren immer schön. Ich habe wieder viele Läufer kennengelernt. Endlich auch Eddy. Nicht Eddie the Eagle, sondern Eddy, dessen Blog ich mehr oder weniger regelmäßig lese und der sich jetzt auch Ultra nennen darf.
Geschafft!!! Im schönsten Ziel der Welt. Nach 72,7 Km und einer Höhendifferenz von 2439 Metern ist wohl jedes Ziel schön. Und es ist einfach herrlich nach dieser Strecke mit neuer Rennsteigbestzeit einzulaufen. Auch wenn es keiner weiß. 9:35 h, sieben Minuten schneller als letztes Jahr. Da hatte ich doch glatt Tränen in den Augen. Vor Glück, vor Stolz, vor "ichhabeeswiedergeschafft!!"
Im Ziel mit Medaille. Ein bißchen fertig schaue ich schon aus, aber nach der Distanz darf ich das auch. Das Schönste am schönsten Ziel der Welt ist das Zielbier, dass ich mir nach den obligatiorischen Zielbildern geholt habe.
Übrigens bin ich den Rennsteig in meinem neuen Laufrock gelaufen. Da ist die Dreiviertelhose am Rock angenäht. Wobei mein kurzes Laufröckchen schon besser aussschaut.
Jetzt werde ich erst einmal ein bißchen regenerieren. Schon bald heißt es für mich nämlich "Eternal Flame". Dazu aber in einem anderen Post bald mehr.
Während des Supermarathons habe ich überlegt, ob ich mir den Rennsteig nächstes Jahr ein drittes Mal gebe. Zu einem Ergebnis bin ich während des Laufes nicht gekommen. Eine Tendenz zum "Nein" war bzw. ist vorhanden. Aber sag niemals nie. Oder um es mit Franz Beckenbauer zu sagen: "Schau mer mal!" Wiederholungtat nicht ausgeschlossen.

Kommentare

Jörg hat gesagt…
Gratulation und wieder ei sehr schöner Bericht, der alles in Erinnerung bringt.

Jörg
Anonym hat gesagt…
jramee
Anonym hat gesagt…
Hi Kerstin,
es war wieder ein Fest dich zu treffen und gemeinsam ein Stück der Strecke zu laufen. (und dank der neuen Frisur haben wir dich auch immer wiedergefunden :-) )
LG Markus
Eddy hat gesagt…
Ich gratuliere Dir zu Deinem Finish mit neuer Bestzeit, zu diesem tollen Bericht, und zu den schönen Bildern!

Ich bin froh, dass Du mich unterwegs entdeckt, erkannt und angesprochen hast: durch diese - wenn auch nur kurze - Begegnung entsteht doch gleich eine ganz andere "Beziehung" zu Deinem Blog: Es ist schön, jetzt den Menschen hinter den Buchstaben und Bildern zu kennen!

Erhol Dich gut. Wir sehen uns bestimmt wieder :)

Viele Grüße aus Bremen
Eddy
Vegy hat gesagt…
Glückwunsch, Kerstin! Danke für deinen schönen Bericht von einem immer wieder schönen Lauf!
Bis bald mal wieder!
LG, Ramona
Hoppelchen hat gesagt…
Liebe Kerstin, das ist aber ein schöner Rennsteigbericht geworden. Komm mal ruhig wieder nächstes Jahr.
Herzliche Grüße von Silke

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