22 Juni 2011

Biel - Die Nacht der Nächte

Ich hatte mich richtig auf Biel gefreut. Das 100 km keine Zuckerschlecken sind, war mir von Anfang an klar. Das es aber so hammerhart werden würde, daran habe ich nie gedacht. Leider traf die Wetterprognose ein. Regen und nicht nur ein bisschen. Ich hatte ja keine Ahnung was bei 100 Km auf mich zukommt. Vor der Nacht hatte ich keine Sorgen, vor allem freute ich mich darauf, in den neuen Tag zu laufen.
Das ich langsam laufen würde war sowieso klar. Mein Ziel war schließlich Biel. Also ankommen und das Finishershirt abholen. Komisch, obwohl ich so viele Laufshirts habe, ein Shirt, dass es erst im Ziel gibt, hat seinen besonderen Reiz. Das ist dann ja wirklich hart erlaufen. Hier in Biel sollte es ein echter Lohn für die Strapazen werden.

Ich hatte mir das Rennen in vier Abschnitte eingeteilt. Km 25 wollte ich nach 3 bis 3 1/2 h erreicht haben. Am berüchtigten Ho-Chi-Minh-Pfad wollte ich gegen 4 Uhr sein, also wenn es schon langsam wieder hell wird. Und den Rest ... ich wusste, dass es bei Km 78 noch mal bergauf geht. Also vorher Kräfte sammeln und dann läuft es eh nach Biel rein. Das Ziel war Biel. So war der Plan.


Bis Km 25 lief es richtig gut. Nach 2:47 h war ich dort. Nach einer kurzen Trink- und Esspause ging es dann auch gleich weiter. Ich lief wie ein Uhrwerk. Nicht schnell, aber gleichmäßig. Bis Km 37.
Was dann geschah, weiß ich nicht. Aber da ging auf einmal nichts mehr. So bin ich dann die nächsten 5 Kilometer in flottem Tempo gegangen. Da es leicht bergauf ging und ein Feldweg mehr Matsch als Weg war, war das nicht weiter schlimm. Mit der Marathondistanz konnte ich dann auch wieder laufen, allerdings nicht mehr so rund wie vorher. Aber egal. Der Weg war das Ziel, das Ziel war Biel. Ich wusste gar nicht, das 5 Kilometer so lang sein können. Schlimm ist allerdings, wenn man für einen Teilabschnitt falsche Kilometerangaben im Kopf hat. So war ich der Meinung, dass der Ho-Chi-Minh-Pfad nach 50 km kommt. Weit gefehlt!


Km 56, Zwischenzeit, 7:01 h. Nun gut, bei einem persönlichen Zeitlimit von 15 h konnte ich rein theoretisch die restlichen 44 Km gehen und hätte noch 8 h Zeit. So was macht mental stark.
Doch jetzt war er da, der Pfad der Pfade. Alle hatten mich vor ihm gewarnt. "Das schlimmste Stück der Strecke" hörte ich noch kurz vor dem Loslaufen. Ich habe diesen Weg am Emmendamm entlang nicht so empfunden. Er war steinig, ok, aber flach, rechts ein Fluss, links Felder und Wiesen. Die Vögel zwitscherten, ich konnte ihn gut laufen und habe es genossen. Ich persönlich empfand die wurzeligen Wege am Rennsteig schlimmer. Nach 10 Km kamen wieder Schotterwege und Asphalt.
Langsam wurde es mir aber kalt. Egal, das Ziel war Biel. Gehen, laufen, kämpfen, Schmerzen. So ging es weiter.
Endlich Km 75. Soweit war ich noch nie während eines Wettkampfes gelaufen. Nur noch 25 Km, ich schaff dass. Mittlerweile schmerzten die Achillessehnen und beide Knie. 500 m laufen, 1 Km gehen - das Ziel war Biel.





Da war zum ersten Mal der Gedanke: "Nie wieder 100 km!" Der Rennsteig steckte einfach immer noch in den Knochen. Endlich war der letzte Anstieg in Sicht. Na gut, danach war immer noch ein Halbmarathon zu laufen.

Berg runter, Km 80, Km 85, "nur" noch 15 Km.
Der Regen wurde wieder stärker. Km 90, juhu, bald ist es einstellig. Und endlich kam das lang ersehnte 95 Km Schild. Ich hatte Tränen in den Augen und Gänsehaut. Fast geschafft, soweit bist du schon. Ab jetzt war jeder Kilometer angeschrieben. Und dann ging auch das Laufen wieder. Langsam, aber es ging. Endlich, endlich, der heißersehnte Kilometer 99. Ich glaub, da hat fast jeder ein Bild gemacht. Ich war stehend K.o., aber glücklich. Das Ziel konnte ich auch schon hören. Die letzten 500 m bin ich wie auf Wolken gelaufen. Mir war kalt, ich war klatschnass, müde, glücklich, hatte Tränen in den Augen und Gänsehaut. Nicht von der Kälte! Ich hatte es geschafft.
Vor 12 Uhr, kürzer als 15 h. 13:46h!!
Das Ziel in Biel!!



Eine Zeit, die unterwegs unrealistisch erschien. Ich hätte die ganze Welt umarmen können, wenn ich meine Arme noch hätte bewegen können. Mir tat alles weh, aber ich war glücklich. So stolz habe ich schon lange keine Medaille mehr in Empfang genommen. Und dann erst das Finishershirt. Das war hart erarbeitet.
Herrlich war die warme Dusche danach, wenn auch das Ambiente nicht so toll war. Durch den Abriss des Eisstadions, wo sich früher alles abgespielt hatte, war ein Zelt als Notquartier aufgebaut, Duschen im Container. Wenn die Sonne scheint, wahrscheinlich irrsinnig heiß, so aber halt wahnsinnig kalt und matschig. Daran soll die Veranstaltung aber nicht schlecht gemacht werden. Für das Wetter kann schließlich der Veranstalter nichts. Es war gut organisiert, vom Startunterlagen abholen bis zur Massage. Die Strecke war gut ausgeschildert, die Versorgungstationen gut und reichlich bestückt. Die Helfer sehr nett. Und die Zuschauer erst. Trotz Regen, Kälte und Nacht. Beim Start und den ersten Kilometern durch Biel war Superstimmung und auch unterwegs waren immer Leute, die angefeuert haben. Selbst morgens um 5 Uhr, in irgendeinem Dorf. Da wurde die Disco einfach nach draußen verlegt. Das hatte was. Und dann die nette Frau mit ihrem Kilometerplakat. Immer wenn ich sie gesehen habe, waren es weniger Kilometer. Beim letzten Treffen musste ich dann doch noch schnell ein Foto machen lassen.


Heute, vier Tage nach dem Lauf, bin ich erstaunt, dass mir nichts wehtut. Selbst 14 Stunden nasse Füße haben keine Blasen hinterlassen. Und ich dachte, dass ich mich nach 100 Km erstmal eine Woche gar nicht mehr bewegen kann vor Schmerzen. Körperlich müde bin ich und essen könnte ich den ganzen Tag, das ist aber auch alles.
Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen. Die 100 Km geistern schon wieder in meinem Kopf. Die Zeit scheint verbesserungsfähig! Nur beim nächsten Mal werde ich wohl keinen Rennsteig oder sonstigen Ultra vier Wochen vorher laufen. Dann klappt es vielleicht schneller.

19 Juni 2011

Biel - mein härtestes Rennen ...

..., das ich bis jetzt gemacht habe.
Aber ich habe es geschafft. Heute nur ein kleiner Vorbericht. Ich muss meine Gedanken und Eindrücke erst noch sortieren und setzen lassen. Heute bring ich da noch nichts Ordentliches aufs "Papier".

Das härteste Rennen aus drei Gründen:

1. 100 Km sind unter normalen Umständen schon kein Zuckerschlecken.
2. Das Wetter. War leider so schlecht wie vorausgesagt. Regen, Regen und nochmals Regen und dazu nur 12-14°.
3. Es war nicht mein Lauftag.

Und deshalb bin besonders Stolz, dass ich es geschafft habe. Geschafft in der Zeit, die ich mir vorgenommen hatte. Ich wollte zwischen 12 und 15 Stunden laufen, meine geheimes Ziel war, um 12 Uhr einzulaufen, also nach 14 Stunden. Zwischendrin wollte ich einfach nur irgendwie und irgendwann ankommen. Nach 13:46 h war ich im Ziel, aller Widrigkeiten zum Trotz. So stolz war ich schon lange nicht mehr auf mich. Mir tat zwar alles weh, aber wie heißt es so schön?
Der Schmerz geht, der Stolz bleibt!

16 Juni 2011

Irgendwann musst du nach Biel ...

... und morgen ist es soweit ich laufe in Biel.

Komischerweise bin ich überhaupt nicht aufgeregt. Wenn ich überlege wie aufgeregt ich vor dem Rennsteig war und wie ruhig ich jetzt bin, mache ich mir fast Sorgen, dass diese Ruhe auch nicht normal ist.




Allerdings, warum sollte ich aufgeregt sein. Ich habe gut trainiert, fühle mich fit und freu mich auf den Lauf. Und man weiß eh nie was 100 Km so bringen. Es kann so viel passieren. Aber da mach ich mir keinen Kopf drüber. Und Aufgeben ist keine Alternative. Außer ich würde dadurch mir selbst schaden.

Auf was ich mich freue?
Auf die vielen Freunde, die ich dort treffen werde.
Auf das "in der Nacht" laufen. Denn 1. ist es dann definitiv nicht warm, also Kerstin Laufwetter.Und 2. ist es einfach ein tolles Gefühl, wenn morgens die Sonne aufgeht und man in den Tag hineinläuft. Und dann ist es bis zum Ziel – hoffentlich - auch nicht mehr sooooooo weit. Wobei die Nacht ja nicht wirklich lang ist. Und Vollmond war auch, d. h. es wird auch nicht zu dunkel sein.
Und natürlich auf eine neue Erfahrung: 100 Km im Wettkampf zu laufen.


Morgen früh geht's los. Alles Wichtige ist schon gepackt. Diesmal vergesse ich auch die Vaseline nicht. Stirnlampe und Regenjacke sind auch schon bereitgelegt.

BIEL – ich komme!!

06 Juni 2011

Metropolmarathon Fürth



Eigentlich hatte ich gar keine Lust beim Metropolmarathon in Fürth zu starten. Warum weiß ich nicht. Vielleicht lag es daran, dass ich seit dem Rennsteiglauf ein bisschen lauffaul bin, vielleicht aber auch, weil extrem warmes Wetter gemeldet wurde. Das Einzige, was mich wirklich hinzog, war die Freude darauf, meine Freunde vom Laufclub 21 wiederzusehen.
Das Hallo am Treffpunkt war groß, es waren praktisch alle da. Auch Simon Beresford und unsere Freunde aus England waren da. Schon war ich glücklich, dass ich mich doch entschieden hatte nach Fürth zu fahren.
Allerdings entschied ich mich dagegen, den Marathon zu laufen. Trainingslauf hin oder her. Es war mir schon morgens um 8 Uhr einfach zu warm. Gemütlich lief ich mit Hannes den Halbmarathon mit einem 2 Kilometer Endspurt. Das musste dann doch sein.
Dann ging es zurück zum Treffpunkt am Kohlenhof für den gemeinsamen Zieleinlauf – Gänsehaut inklusive.
Wieder einmal habe ich gemerkt, dass Zeitenjagd nicht alles ist. So ein gemütlicher Halbmarathon hat schon auch seinen Reiz.
Es war ein wunderschöner Tag mit meinen Freunden. Ich bin glücklich, dass ich mit ihnen laufenund ihre Freude im Lauf teile kann.
Wie ist ihr Motto: Ich kann laufen, so wie du und ich laufe auf dich zu!! Und ich? Ich bin froh, dass ich mit euch laufen darf.

03 Juni 2011


Endlich ist es ein bisschen kühler. Der Regen am Mittwoch hat gut getan. Ich glaube, es war das erste Mal, dass sich niemand darüber beschwert hat, das es regnet. Gestern und heute war es bedeckt und ein bisschen windig.


Einfach herrliches Laufwetter. Ich genieße das Wetter sowieso in vollen Zügen, denn wer weiß, wie es im Juli oder August ist.

Deshalb habe ich den gestrigen Feiertag auch als Sporttag genutzt. Vormittags war ich zwei Stunden laufen, nachmittags zwei Stunden Rad fahren.
Heute habe ich Urlaub und werde den Tag so wie gestern verbringen. Ich komme gerade von einem 90 Minuten Lauf zurück. Heute Nachmittag ist dann noch eine Tour mit dem MTB angesagt, zum Flinderer. Biergartenwetter muss man einfach ausnutzen.
Am Sonntag steht dann der Metropolmarathon in Fürth an. Ich starte wieder mit den Marathonis des Laufclub 21. Und wieder einmal weiß ich noch nicht welche Distanz ich laufe. In 14 Tage starte ich in Biel, also wird es keine Tempolauf. Ich will wieder einen Trainingslauf mit Wettkampfcharakter machen. Wobei ich im Moment soweit bin, dass ich den Marathon laufe. Schön langsam. Die letzte Entscheidung fällt allerdings am Sonntagmorgen. Das Wetter entscheidet. Sollte es nämlich heiß werden oder regnen, so werde ich nur den Halbmarathon laufen. Den dann aber als Tempottraining hernehmen. Den meine Trainingsläufe sind im Moment meist langsam. Aber egal, Hauptsache ich mache was.